Schwul sein in der Nachbarschaft

Benachteiligung gleichgeschlechtlich orientierter Personen und Paare

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Nach dem 10. Juni 2001 war nichts mehr, wie es vorher war. „Ich bin schwul – und das ist gut so“ – diese Worte von Klaus Wowereit vor den Delegierten des Nominierungsparteitages der SPD waren fortan in praktisch allen Nachrichtensendern zu hören.

Während sich einige wohl fragten, wie man als Bürgermeister denn Homosexuell sein könne, verflog die Aufregung um das Thema schnell. Mehr als 15 Jahre später spricht keiner von der Homosexualität, sondern von seinen Leistungen im Amt, die man sicherlich hinterfragen darf.

 

Hürden, die das tägliche Zusammenleben von zwei Männern nicht nur kompliziert sondern auch straffällig machten, wurden richtigerweise aufgehoben. Es klingt aus heutiger Sicht fast befremdlich, dass die körperliche Liebe unter Männern bis zum 11. Juni 1994 gesetzlich verboten war.

Heute darf man – einer Gesetzesänderung vom 30.06.2017 sei Dank – auch gleichgeschlechtlich heiraten. Das Ja-Wort vor dem kirchlichen Altar wird man sich vermutlich auch auf längere Sicht gesehen nicht geben können, aber da bleibt einem ja noch das ganz persönliche Gespräch mit einer höheren Stelle, um hier eine Änderung herbei zu führen.

 

Der Christopher Street Day ist ausdrucksstarkes Beispiel dafür, dass Homosexualität auch gesellschaftlich angekommen und akzeptiert ist. 750.000 Besucher verzeichnete man 2017 in Berlin und hunderttausende feierten 2016 in Köln.

 

Es gibt sicherlich immer noch viele Personen, die gesellschaftliche Nachteile in Kauf nehmen müssen weil sie mit uralten gesellschaftlichen Konventionen brechen, aber gerade in Großstädten ist die zu tragende Bürde überschaubar, wenn sie nicht sogar gänzlich verflogen ist.

Auf dem Nachbarschaftsportal nebenan.de gibt es für solche Worte jedenfalls keine Diskriminierung, sondern eher den kollektiven Hinweis, dass diese Information nun wirklich egal ist.

 

Die aktuell aufkommende Diskussion um das dritte Geschlecht sollte nun eigentlich der Punkt sein, an dem Homosexuelle auf den zurückliegenden Weg der letzten 30 Jahre blicken und auch realisieren, dass sie gesellschaftlich akzeptiert und anerkannt sind und im Gegensatz zu dem dritten Geschlecht keine ausgegrenzte Minderheit sind.

Ein digitales Rundschreiben an die Nachbarschaft ist weder nötig, noch förderlich. Vermutlich wirkt es auf viele Menschen eher unheimlich, dass fremde Personen in einem ersten Dialog ihre sexuelle Vorliebe kund tun. (Mike Krakowka – mk)

update: Jahreszahl bzgl. dem §175 von 1194 auf 1994 geändert.

2 Kommentare

  1. Huhu,
    ein kleiner, aber sehr netter Schreibfehler hat sich in diesem Artikel eingeschlichen 😉
    „Es klingt aus heutiger Sicht fast befremdlich, dass die körperliche Liebe unter Männern bis zum 11. Juni 1194 gesetzlich verboten war.“
    Tatsächlich, das klingt befremdlich 😉
    Obwohl die alten Griechen und Römer…lassen wir das.
    Gruß
    jazzzy

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